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09.05.2018

Der gefallene Ortsteil

Zentrumsnah gelegen, und doch abseits der gewöhnlichen Einkaufswege, bietet das "Phönix-Viertel" für den normalen Harburger nicht viele Anlässe, es aufzusuchen. Die vorgelagerte Bücherhalle / Volkshochschule sind zumeist der einzige Berührungspunkt mit diesem Wohn-Quartier. Und so habe ich mich an einem heißen Sommertag aufgemacht zu einem ausgiebigen "Spaziergang", um mir die Verhältnisse vor Ort anzusehen.
Zwei Dinge sind es, die den Besucher des "Phönix-Viertels" von Anfang an begleiten; und zwar Lärm und Unrat. Ersterer ruht daher, daß fast alle Türen der Mietshäuser offenstehen (jedenfalls im Inneren des Viertels), und sich aus diesen ein steter Strom an jungen Männern ergießt (in Lederjacke im Hochsommer), die sich untereinander raumgreifend und gewohnt lauthals im Ghettoslang verständigen. Aus den ebenso offenstehenden Fenstern der Häuser lehnen sich die dazugehörigen Mädchen, zumeist mit Smartphone am Ohr, und rufen ihren Landsleuten in unbekannten Sprachen hinterher. Gleichzeitig schallt laute orientalische oder Reggaemusik aus allen Richtungen auf einen ein. Die vielen hochmotorigen Autos (schwarz und deutsch), die sich protzig mit viel Gasgeben durch die engen Straßen schieben, tun ihr übriges. Der Lärm findet seinen Höhepunkt an der Bunatwiete, dem Sammelpunkt jeglicher Bewegung im Quartier, der zu jeder Tag- und Nachtzeit stark bevölkert ist von Personen, denen eine gefährliche Ausstrahlung nicht abzusprechen ist, sowie von zahllosen Kindern, die den angrenzenden großen Spielplatz frequentieren.


Ebenso wie man im "Phönix-Viertel" dem Lärm nicht entgehen kann, kann man dies auch beim allgegenwärtigen Abfall nicht. Dieser türmt sich in Form von Sperr- und Hausmüll an jeder Ecke, in Hauseingängen, unter öffentlichen Mülleimern oder schlicht auf dem Gehweg. Es ist offensichtlich, daß das, was man nicht mehr benötigt, einfach auf die Straße geworfen wird, und auch, daß viele der Bewohner von der Benutzung der hauseigenen Müllentsorgung überfordert sind oder es ihnen einfach egal ist, wie die Umgebung aussieht, in denen sie leben.

Dieser Eindruck des Unvermögens, der Gleichgültigkeit und der Apathie vieler Bewohner dieses Viertels drängte sich mir ständig auf, anders läßt es sich nicht erklären, wie heruntergekommenen alles ist. Die Hausfassaden sind beschmiert, die Eingänge (zumeist, und auch bei Neubauten) so verdreckt, daß ich sie nicht betreten mochte. Auch wenn vielerorts an den Häusern gewerkelt wird, so wirkt dies wie "verschlimmbessern", und man erkennt, daß das meiste ein ewiges Provisorium bleiben wird und nicht zur Verbesserung führt. So sieht man unzählige Gebäude, die man als bewohnte Bauruinen bezeichnen muss, und es wird deutlich, daß der Hausbestand dem Verfall preisgeben ist, sei es durch die Eigentümer oder die Bewohner selbst.



Daß dieser Zustand nicht etwa einem alten Baubestand geschuldet ist, sieht man am ebenfalls an der allgegenwärtigen Zerstörungswut, der sich an öffentlichen Einrichtungen austobt. Seien es eine zerstörte StadtRad-Station, Stromkästen oder daß die Eingänge zur Bücherhalle als Toilette benutzt werden, in allem zeigt sich mir die Ablehnung der Bewohner unserer Gesellschaftsordnung gegenüber.
Bewegt man sich durch die Straßen des "Phönix-Viertels", so begegnen einem ständig Gruppen der erwähnten jungen Männer, die mit viel Machismo die Ecken bevölkern und die genau beobachten, wer dort als Fremdling in "ihrem" Viertel unterwegs ist. Frauen auf der Straße (immer in schwarzen Leggings) sieht man allenfalls mit Kinderwagen. Dieses ist eindeutig ein von Männern dominierter Ort.
Im Viertel selbst sind keine Läden zu finden, höchsten ein paar Eckkneipen, aber die Wilstorfer Straße, die ich aus den 80ger Jahren noch als gute Geschäftsstraße kenne (mit Schuhgeschäft und dem ersten Öko-Laden) ist zwar bevölkert von Spielhallen, Friseuren und den allgegenwärtigen "Kulturvereinen", bietet jedoch im Punkte Verfall keinen besseren Anblick.

Auch wenn man mich bei meinem mehrstündigen Rundgang in Ruhe gelassen hat, so war ich mir doch ständig bewußt, daß ich hier "der Fremde", der Unerwünschte bin, und daß ich mich mit allzu auffälligem Verhalten einer Gefahr aussetzte. Das "Phönix-Viertel" ist ein Ort geworden, an dem nicht mehr unsere Regeln gelten und in dem seine Bewohner genau das Biotop, dieselben Lebensumstände, hergestellt haben, aus denen sie (anzunehmender Weise) ins bessere Deutschland gekommen sind, und es sei dahingestellt, ob sie nicht anders können oder nicht anders wollen.

Schließen möchte ich mit dem viel zitierten Ausspruch von Peter Scholl-Latour: "Wer halb Kalkutta aufnimmt, rettet nicht Kalkutta, sondern wird selbst Kalkutta". Wobei die Bewohner des "Phönix-Viertels" niemals vor irgendwas gerettet werden wollten, sondern schlicht der EU-Freizügigkeit nachgehen.

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